
Alle Menschen in Norduganda hoffen auf Friede - Foto: H. Atkins
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16/04/2007 - Obwohl die Regierung von Uganda mit der Lord's Resistance Army (LRA) gerade einen sechswöchigen Waffenstillstand unterzeichnet hat, sind die Zukunftsaussichten weiter unsicher. Der Norden Ugandas erlebt trotzdem zum ersten Mal seit vielen Jahren so etwas wie Normalität. Zwanzig Jahre lang sorgte die LRA unter der Bevölkerung für einen Ausnahmezustand. Tausende Menschen wurden getötet und eine unbekannte Zahl von Kindern wurde entführt, um als Kindersoldaten und Sexsklaven zu dienen. In der kleinen Stadt Gulu, die zum Synonym der ständig lauernden Gefahr durch die LRA wurde, kehrt allmählich Ruhe ein.
Noch vor drei Jahren war das Leben in den Dörfern rund um Gulu von Unsicherheit geprägt. LRA-Rebellen überfielen regelmäßig die kleinen Ortschaften, mordeten, verstümmelten und entführten die Bewohner. Nur das Zentrum der Stadt schien sicher zu sein. Es wurde zum Zufluchtsort für tausende Kinder, die jeden Abend nach Gulu pilgerten und die Nacht auf Gehsteigen, in Busstationen, vor Krankenhäusern und Kirchen verbrachten - bis NGOs auf das Schicksal der kleinen "Nachtpendler" aufmerksam wurden und die Kinder mit Zelten, Decken und Essen versorgten. Am frühen Morgen kehrten sie im relativen Schutz des Tageslichts wieder nach Hause zurück, um sich bei einbrechender Dunkelheit erneut auf den Weg in die Stadt zu machen.

In Gulu wird das Leben allmählich sicherer: In der Hauptstraße der Stadt unterwegs - Foto: H. Atkins
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Eine Stadt voller NGOs
Heute kann man in Gulu und Umgebung überall auf Zeichen des Friedens stoßen. NGO-Mitarbeiter haben sich in jedem verfügbaren Hotelzimmer der Stadt eingemietet. Die Nachfrage ist so groß, dass es sogar vorkommt, dass die Zimmer im Erdgeschoß schon bezogen sind, obwohl noch am ersten Stock gebaut wird. Während offizielle Mitarbeiter mit Geländewagen herumfahren, gehen die jungen Freiwilligen aus Europa und Nordamerika, die an Wiederaufbauprojekten mitarbeiten, durch die Straßen, als wären sie zu Hause und am Weg ins College.
Viele, die in den billigen Unterkünften wohnen, sind hier für Kurzzeiteinsätze, um so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Wie die Studenten der kanadischen Concordia University, die für SOS-Kinderdorf arbeiten, bringen die jungen Leute viel Optimismus und Kraft mit. Das Frauenfußballturnier, das die Kanadier organisiert haben und das im lokalen Radio enthusiastisch beworben wurde, verfolgten hunderte Zuschauer live mit. Dass Frauenfußball genauso unterhaltsam sein kann wie Männerfußball, war die eine Botschaft. Die andere, dass in einer Gesellschaft, wo es üblich ist, dass junge Mädchen vor älteren Menschen einen Knicks machen, Frauen den Männern gleichgestellt sind und nicht in den Hintergrund treten müssen.
Zu Hause schlafen
Neben den vollen Hotels und den kleinen Geschäften, die in den Straßen von Gulu reihenweise aufmachen, sind es die kleinen Details, die das normale Leben ausmachen. Ein Vater holt sein Kind zur Mittagszeit von der Schule ab, Frauen bringen Saatgut aus in der Hoffnung auf Regen, aus Häusern und Geschäften dringt Musik. Aber das deutlichste Zeichen, wie sehr sich die Situation in Gulu in den vergangenen drei Jahren verändert hat, ist, dass es kaum mehr abendliche Wanderzüge ins Zentrum gibt. Waren es im Juli 2004 noch über 22.000 Kinder, die in Gulu über Nacht Schutz gesucht haben, so ist die Zahl der Kinder im Dezember 2006 auf circa 1.350 gesunken. Das bedeutet, dass die meisten Kinder nun jede Nacht zu Hause schlafen - ein echtes Signal, dass die Menschen große Hoffnungen in den Friedensprozess setzen.

Norduganda befindet sich nach 20 Kriegsjahren im Wiederaufbau - Foto: H. Atkins
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Frieden für Norduganda?
Der Friedensprozess ist in Bewegung, das kürzlich geschlossene Waffenstillstandsabkommen ist ein Schritt. Und die LRA-Rebellen haben sich in den Busch zurückgezogen. Aber die Menschen haben Angst, dass sie bereit sind, jederzeit wieder zuzuschlagen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Derzeit ist die LRA angeblich weit weg von Gulu. Das verspricht vielleicht im Moment Gutes für die Stadt, aber was heißt das für die Zukunft?
Charles Kiyimba, Leiter des SOS-Kinderdorfes in Gulu, glaubt, dass es keine Alternative zum eingeschlagenen Friedensprozess gibt. Über 100 Kinder leben im SOS-Kinderdorf, viele von ihnen sind Opfer des LRA-Krieges, einige kamen sogar in Gefangenschaft auf die Welt. "Die meisten Menschen in Norduganda sind davon überzeugt, dass nur Friedensgespräche den Krieg beenden können", so Charles Kiyimba. Und er fügt hinzu, dass erst seit Beginn der Gespräche im vergangenen Jahr eine Lösung des Konflikts im Norden des Landes realistisch zu sein scheint. "Wenn sich die zwei Konfliktparteien nicht einigen können, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die in der ganzen Nordregion verstreuten Splittergruppen der LRA wieder zusammenschließen werden, um aufs Neue zu kämpfen, Kinder zu kidnappen, Essen zu stehlen und Menschen zu töten", fürchtet Charles Kiyimba.
Für das SOS-Kinderdorf in Gulu würde ein Wiederaufflammen der Kämpfe bedeuten, dass noch mehr Kinder Hilfe brauchen. Auch die Familienförderprogramme, die vom SOS-Sozialzentrum ausgehen, würden betroffen sein, weil die Bewegungsfreiheit der Menschen wieder massiv eingeschränkt wäre (derzeit konzentrieren sich die Förderprogramme vor allem auf die ländlichen Gebiete im Umkreis von Gulu, wo junge Leute lernen, wie man Gemüse anbaut und Ziegen züchtet). Auch die Partnerschaft mit den Freiwilligen der Concordia University müsste dann eingestellt werden. Und wieder würde die Bevölkerung in ständiger Angst leben.
Niemand möchte eine Wiederkehr des Schreckens, aber trotz des intensiveren Engagements der internationalen Gemeinschaft herrscht große Unsicherheit, ob der Friede wirklich von Dauer sein wird. Die Erlebnisse der Vergangenheit sind gegenwärtig, das Vertrauen brüchig. Charles Kiyimba bringt es auf den Punkt: "Mein einziger Wunsch, mein großer Traum ist, dass der Krieg zu Ende geht und die Menschen ein normales Leben führen können. Das ist mein Wunsch und der aller Menschen."