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| Die Schwächsten dürfen nicht noch mehr verlieren (Richard Pichler in Darfur/Sudan) - Foto: SOS-Archiv |
Herr Pichler, lässt sich abschätzen, wie sich die Finanzkrise auf die Arbeit von SOS-Kinderdorf auswirken wird? Sind bereits Auswirkungen spürbar?
Richard Pichler: In der Planung unserer Programme sind die Auswirkungen sehr wohl spürbar. Aufgrund des Dollarkurses im Verhältnis zum Euro sind gewisse Projekte nicht mehr durchführbar wie geplant. Die Verluste aufgrund dieses Wechselkurses kosten uns so viel wie sämtliche neue Programme, die für 2009 vorgesehen waren. Das bedeutet, wir müssen unsere Planung so anpassen, dass der laufende Betrieb bestehender Programme gewährleistet ist und nur einzelne, dringend notwendige Projekte finanziert werden.
Auch auf der Seite der Spendeneinnahmen spüren wir die Verunsicherung der Menschen, insbesondere im Bereich der Firmenpartnerschaften, wo diese Unsicherheit zum Beispiel dazu führt, dass Entscheidungen langsamer getroffen werden. Wie unsere Spenderinnen und Spender reagieren, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Wir hoffen, dass sie loyal bleiben.
Was steht nun an, was ist zu tun?
Richard Pichler: Wir müssen mehr denn je bei jedem einzelnen Euro überlegen, wofür wir ihn ausgeben. Das kommende Jahr werden wir vor allem dazu nutzen, in die Qualität unserer Arbeit zu investieren. Maßnahmen wie Qualitätssicherung oder Personalentwicklung in unseren Familienstärkungsprogrammen helfen uns, möglichst effizient zu arbeiten. Grundsätzlich halten wir an unserem Ziel, bis 2016 eine Million Kinder zu betreuen, fest - wenngleich wir es vielleicht um ein oder zwei Jahre verschieben müssen. Aber wir wollen gut gerüstet sein.
Die Armutsspirale dreht sich vor allem in jenen Ländern, die ohnehin zu den benachteiligten gezählt werden, am schnellsten. Was bedeutet das für das Engagement von SOS-Kinderdorf?
Richard Pichler: Ja, in den armen Ländern sind die Menschen besonders gefährdet. Dort, wo bisher schon zwischen 30 und 40 Prozent der Menschen an und unter der Armutsgrenze lebten, werden es nun 40 Prozent oder mehr sein - damit wird eine gefährliche Schwelle überschritten. Und die Kinder ohne elterliche Betreuung gehören zu den Schwächsten. Unsere Arbeit wird also dringend gebraucht. Das heißt, die Unterstützung unserer Freunde und Förderer ist jetzt wichtiger denn je.
Ich komme gerade von einer Reise nach Afrika zurück und habe auch dort die Verunsicherung der Menschen erlebt. Bei der Eröffnung eines SOS-Kinderdorfes hat ein Regierungsvertreter seine Sorge geäußert, dass 2009 die Entwicklungsgelder gekürzt werden könnten. Natürlich fragen sich Menschen wie er auch, woher das Geld kommt, mit dem jetzt unsere Banken saniert werden, und ob im Zuge dieser Tranksaktionen nicht gerade bei der Entwicklungszusammenarbeit als erstes gespart wird. Die Menschen können nicht verstehen, wie es möglich ist, dass innerhalb kürzester Zeit 4.000 Milliarden Euro zur Abfederung der Finanzkrise auf die Beine gestellt werden, es aber nicht möglich ist, zehn Milliarden Dollar aufzubringen, mit der eine Organisation wie "The Global Fund To Fight AIDS" Afrika nahezu von AIDS befreien könnte.
Mir ist klar, dass auch in den Industrieländern die momentane Situation schwierig ist, aber das ist kein Vergleich zur Lage in den Ländern des Südens. Ich hoffe auf eine starke Solidarität der Menschen und dass sich der im Verhältnis noch wohlhabende Norden verantwortlich fühlt für die Kinder, die am meisten betroffen sind.