
Flüchtlingscamp Oure Cassoni: Leben im Niemandsland - Foto: Y. van den Broek
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Zurzeit werden 230 Kinder und Erwachsene betreut. Bis zum Start des Nothilfeprogramms hatten die Menschen im Camp keinerlei psychologische Unterstützung bekommen, obwohl viele der Flüchtlinge schon seit 2004 in der provisorischen Wüstenstadt leben. "Bis wir das SOS-Zentrum fertig errichten konnten, besuchten wir die Familien direkt in ihren Zelten und Behausungen, um diejenigen zu finden, die am dringendsten Hilfe brauchen. Die Reaktionen der Menschen waren sehr positiv. Allein die Tatsache, dass jemand zu ihnen kommt, ihnen zuhört und ihre Probleme ernst nimmt, hat ihnen schon geholfen", schildert Yolanda van den Broek, Projektleiterin der Nothilfe, den Beginn des Hilfseinsatzes an der Grenze zum Sudan.
In Oure Cassoni, 23 Kilometer von Bahaï entfernt, bläst ständig der Wind, regelmäßig gibt es schwere Sandstürme. Die Menschen sind völlig von externer Hilfe abhängig. Nahrungsmittel, Unterkünfte, Wasser, Schulen - alles muss von NGOs und UN-Organisationen abgedeckt werden und das trotz wiederholter ernster Zwischenfälle.
SOS-Kinderdorf bietet als einzige NGO psychosoziale Hilfe in Bahaï und arbeitet eng mit UNHCR und IRC, dem International Rescue Committee, zusammen. "Weil wir die einzigen sind, die psychosoziale und psychiatrische Hilfe anbieten, werden wir auch von anderen NGOs kontaktiert, um Mitarbeitern, die Opfer von Raubüberfällen geworden sind oder aus anderen Gründen psychologische Unterstützung brauchen, zu helfen. Inzwischen haben wir schon einige NGO-Mitarbeiter beraten", erzählt Yolanda.

Den Kindern Sicherheit zu vermitteln, ist das Wichtigste - Foto: Y. van den Broek
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Die Kinder kommen in fast allen Fällen mit ihren Müttern in das SOS-Zentrum. Väter gibt es kaum im Camp, sie sind entweder tot oder kämpfen im Sudan. Die häufigsten Symptome bei Kindern sind Alpträume, Bettnässen, Angstzustände, Verhaltensauffälligkeiten, auch Halluzinationen sind keine Seltenheit. Wenn möglich, werden die Kinder in gruppentherapeutische Settings eingebunden, es wird gespielt, gesungen, gemalt. Das Wichtigste ist, ihnen Sicherheit zu vermitteln. Oft kommen Geschwister gemeinsam in das Zentrum, weil sie unter großer Trennungsangst leiden. In schweren Fällen wird mit Einzeltherapie gearbeitet und medikamentös interveniert, im Notfall wird an das Gesundheitszentrum in Oure Cassoni, an das Distriktkrankenhaus in Bahaï oder an UNHCR überwiesen oder die Experten von SOS-Kinderdorf werden von diesen Stellen zur Mithilfe kontaktiert.
Im Oktober 2006 kam es nahe des Camps zu einem schweren Zwischenfall, woraufhin UNHCR beschloss, das Lager umzusiedeln. Laut UNHCR-Standards sollten Flüchtlingscamps im Tschad mindestens 50 Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt sein. Biltine, ein Gebiet von 46.850 km2, wurde als neuer Standort ausgewählt, doch bis heute ist nicht klar, ob und wann das Camp umgesiedelt werden kann. Biltine liegt wie Oure Cassoni mitten in der Wüste, es herrscht ein hartes Klima und Wasser ist rar, zudem sind auch in diesem Gebiet Rebellen aktiv.