SOS-Kinderdorf in Mogadischu wird evakuiert 

Dringender Friedensappell von Präsident Kutin 

04/12/2007 - Nach den schweren Bombardements, bei denen gestern eine Familienhelferin getötet und vier Mitarbeiter(innen) schwer verletzt worden waren, werden die Familien des SOS-Kinderdorfes in Somalias Hauptstadt in Sicherheit gebracht.

Nach den schweren Bombardements von somalischen und äthiopischen Truppen rund um das SOS-Kinderdorf-Gelände in Mogadischu werden die Familien nun in sichere Stadtteile evakuiert. Fünf Familien haben das SOS-Kinderdorf bereits verlassen, laut Ahmed Ibrahim, dem Leiter von SOS-Kinderdorf Somalia, sollen spätestens am Nachmittag alle Familien an sichere Orte gebracht werden.

Bei den gestrigen Angriffen wurden durch schwere Bodenraketen eine Familienhelferin getötet und vier weitere Mitarbeiter(innen) schwer verletzt. Es war das schlimmste Bombardement, das die Kinder, Mütter und Mitarbeiter im Dorf je erlebt haben. Die Raketen waren größer als die, die in der Vergangenheit SOS-Einrichtungen getroffen haben, und hatten eine wesentlich stärkere Zerstörungskraft. Alle Kinder und Jugendlichen sind bei den ersten Anzeichen der Kämpfe in den Schutzraum geflohen. Aber einige Mütter und Familienhelferinnen haben den Bunker verlassen, um nach dem Rechten zu sehen. Eine Mutter befand sich allein in ihrem Familienhaus, als eine Rakete einschlug. Sie wurde schwer verletzt in das Rot-Kreuz-Krankenhaus gebracht und muss immer noch intensivmedizinisch betreut werden. Die Familienhelferin wurde von einer Rakete getötet, als sie gerade auf dem Weg zu ihrem Haus war. Drei weitere Mitarbeiter wurden ebenfalls schwer verletzt.

"Die Lage ist sehr schlecht", sagt Ahmed Ibrahim. ""Wir können nicht sagen, wann oder ob die Familien überhaupt ins Dorf zurückkehren werden. Auch die anderen Mitarbeiter schweben in großer Gefahr." Die Hermann-Gmeiner-Schule, die normalerweise von 500 Schülern besucht wird, und der SOS-Kindergarten haben gerade Ferien und sind geschlossen. Die SOS-Klinik ist weiterhin geöffnet, allerdings mit einem Minimum an Personal.

SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin ist zutiefst betroffen von den jüngsten Entwicklungen in Mogadischu: "In die Trauer um die getötete Familienhelferin und die Sorge um die Schwerverletzten, die unter schwierigsten Bedingungen für die Kinder ihr Bestes gegeben haben, mischen sich große Bedenken, ob wir unsere Projekte in Mogadischu weiterführen können. Seit mehr als zwanzig Jahren sind wir dort im Einsatz. Gerade in der momentanen Lage der Bevölkerung und angesichts einer Million Flüchtlinge wäre es ein großer humanitärer Verlust, sollten wir unsere Sozialeinrichtungen schließen müssen. Das würde sowohl für die Zukunft der Kinder von Mogadischu als auch für die medizinische Versorgung von tausenden Menschen ein schwerer Rückschlag sein. Wir appellieren eindringlich an die Konfliktparteien, die Waffengewalt zu beenden und dafür Sorge zu tragen, dass die Zivilbevölkerung geschützt wird und die Sicherheit humanitärer Einsätze gewährleistet ist."

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SOS-Kinderdorf arbeitet seit Mitte der 1980er Jahre in Somalia. Im Südteil von Mogadischu befinden sich das SOS-Kinderdorf, ein Kindergarten, Jugendeinrichtungen und eine Schule. Trotz schwerer Kämpfe und des völligen Chaos in der Stadt nach Ausbruch des Bürgerkriegs 1991 setzte SOS-Kinderdorf seine Arbeit fort, nachdem beinahe alle Hilfsorganisationen das Land verlassen hatten.

Das große Hilfs- und Ernährungsprogramm, das damals gestartet wurde, wurde allmählich zur fixen Einrichtung. Heute ist der gesamte medizinische Komplex, der u.a. eine Mutter-Kind-Klinik, eine eigene Kinderstation und ein Ernährungsprogramm umfasst, aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr werden an die 300.000 Behandlungen durchgeführt. ECHO und das UN-Welternährungsprogramm unterstützen diese Projekte.

Die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen gerieten im Laufe der Jahre immer wieder zwischen die Fronten. Es gab sogar Entführungen, die aber glimpflich verliefen, vor allem dank der Solidarität breiter Bevölkerungsteile. Trauriger Höhepunkt war die Ermordung von Schwester Leonella, Leiterin der SOS-Krankenpflegeschule, und ihres Leibwächters im vergangenen Jahr. 

 

 

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