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| Giovane - Foto: A. Gabriel |
Offensichtlich konzentrierte sich eine Regierungsoffensive gegen Aufständische vor einer Woche vor allem um die Gegend rund um das SOS-Kinderdorf und die SOS-Klinik in der somalischen Hauptstadt. Die Klinik hat erst im März nach einer dreimonatigen Schließung wegen der schlechten Sicherheitslage und blockierter Zufahrtswege wieder ihren Betrieb aufgenommen. Im SOS-Kinderdorf hält sich derzeit nur wenig Personal auf, nachdem die Einrichtung im vergangenen Dezember wegen Bombeneinschlägen evakuiert werden musste. Die SOS-Familien sind immer noch in Notunterkünften in sicheren Stadtteilen von Mogadischu untergebracht.
Als das Militär vorrückte und alle Zufahrtswege abzuriegeln begann, verließen die meisten Mitarbeiter das SOS-Kinderdorf-Gelände. Zwei Gärtner haben es nicht geschafft, rechtzeitig zu flüchten. Einer konnte sich in der SOS-Klinik verstecken, der zweite wurde von den Truppen entdeckt. Es ist nicht klar, was dann geschah, aber drei Tage später, nachdem die Soldaten abgezogen waren, fanden die Mitarbeiter die Leiche von Abdulahi Osman Hassan, den alle unter dem Namen Giovane (junger Mann auf Italienisch) kannten. Er dürfte an dem Tag, als die Truppen ihn festgenommen haben, erschossen worden sein. Giovane hat seit März 1990 als Gärtner für SOS-Kinderdorf in Mogadischu gearbeitet. Er war bei allen, die ihn kannten, sehr beliebt. Bei jedem besonderen Ereignis hat er im Namen seiner Kollegen eine Rede gehalten, zuletzt beim Besuch von SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin Ende März diesen Jahres.
Dem anderen Gärtner gelang es, drei Tage unentdeckt zu bleiben, ohne Wasser, ohne Essen. Er wurde vom Klinikpersonal gefunden und versorgt. Mitarbeiter konnten erst am 23. April wieder die Klinik und das SOS-Kinderdorf betreten, jener Tag, an dem sie Giovanes Leiche fanden. Die Soldaten waren in sämtliche Gebäude eingebrochen, einschließlich der Familienhäuser. Während der dreitägigen Belagerung wurden Medikamente und Lebensmittel gestohlen; an den Gebäuden entstand erheblicher Schaden.
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| Giovane bei der herzlichen Begegnung mit Präsident Kutin Ende März - Foto: A. Gabriel |
Die SOS-Klinik nahm am 28. April wieder ihren Betrieb auf, da die Menschen in Mogadischu dringend medizinische Hilfe brauchen. Die SOS-Klinik ist eines der ganz wenigen funktionierenden Krankenhäuser in Mogadischu, dort werden vor allem Mütter und Kinder kostenlos behandelt. Die wenigen Krankenhäuser sind unter den derzeit herrschenden katastrophalen Bedingungen völlig überlastet, deshalb wollten die SOS-Mitarbeiter die Klinik wieder so schnell wie möglich öffnen. Seit der Wiedereröffnung kommen täglich immer mehr Menschen zurück in das Viertel und jeden Tag gibt es mehr zu tun. Allein am 30. April wurden um zehn Uhr Vormittags schon hundert kleine Patienten gezählt. Das Krankenhauspersonal wird von Dr. Abdulahi Hussein Moallin geleitet, der kürzlich aus Europa zurückgekehrt ist, wo er eine Ausbildung absolviert hat. Er hat sich ganz der Aufgabe verschrieben, den Frauen und Kindern von Mogadischu zu helfen, deren Schicksal im derzeitigen Konflikt weitestgehend ausgeblendet wird.
Wilhelm Huber, Regionalleiter von SOS-Kinderdorf in Ostafrika, zeigt sich zutiefst bestürzt über die Gewaltakte gegen Mitarbeiter humanitärer Organisationen in Mogadischu: "Entgegen der Abmachungen mit der Regierung haben Soldaten unsere Einrichtungen okkupiert, haben Gebäude verwüstet und Medikamente und Lebensmittel mitgenommen, die sie gebraucht haben. Die Lebensmittelversorgung in Mogadischu ist sehr kritisch, alle, auch die Soldaten, sind verzweifelt. Wir sind sehr traurig, dass wir einen loyalen, lang gedienten Mitarbeiter verloren haben. Giovane hat niemandem etwas zuleide getan. Wir verabscheuen diese Gewaltakte und verurteilen die Übergriffe auf humanitäre Einrichtungen."