Gestern schlugen in einem Gebäudetrakt der SOS-Klinik Raketen ein, auch das SOS-Kinderdorf, das direkt gegenüber dem medizinischen Komplex liegt, wurde getroffen. Bei den Einschlägen im SOS-Kinderdorf wurde niemand verletzt, da Kinder, Mütter und Mitarbeiter seit Tagen an sicheren Orten untergebracht sind. In dem zerstörten Kliniktrakt, der zu Friedenszeiten als Kinderstation dient, waren Verwundete untergebracht.
Laut Ahmed Ibrahim, Projektleiter von SOS-Kinderdorf in Somalia, befanden sich bis zu zwanzig Menschen auf dieser Station und es sei nicht bekannt, wie viele bei der Explosion getötet wurden. Es wird vermutet, dass Regierungstruppen, die gegen aufständische Milizen kämpfen, für den Raketenbeschuss verantwortlich sind, auch wenn die Klinik nicht gezielt angegriffen worden sein dürfte.
Laut jüngsten Meldungen stehen Regierungstruppen und ihre äthiopischen Alliierten unmittelbar vor den Toren der SOS-Einrichtungen und haben die Straße zwischen dem Gelände des SOS-Kinderdorfs und der SOS-Klinik unter ihrer Kontrolle. Die Klinik, in die in den vergangenen Tagen zahlreiche Verwundete und Tote gebracht worden waren, soll inzwischen fast menschenleer sein.
"Diejenigen, die selber gehen konnten, sind weggelaufen" so Ahmed Ibrahim. "Die Schwerverletzten wurden von Verwandten oder Freunden weggebracht." Nur wenige freiwillige Ärzte und medizinisches Personal sind zurückgeblieben und führen in den Kreissälen der Mutter-Kind-Klinik Notoperationen durch.
Wilhelm Huber, Regionalleiter von SOS-Kinderdorf für Ostafrika. meint in einer Einschätzung der aktuellen Situation: "Die jüngsten Nachrichten stimmen uns vorsichtig optimistisch. Wenn die Regierungstruppen die Gegend kontrollieren, wird unsere Klinik wieder Verwundete versorgen und hoffentlich nicht weiter zerstört werden. Wir versuchen sogar, unser medizinisches Personal, das wir abgezogen haben, wieder zurückzubringen, damit die Arbeit fortgesetzt werden kann."
SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin richtet einen dringenden Appell an die Konfliktparteien: "Somalia ist seit 1991 nicht zur Ruhe gekommen. Die aktuellen Kämpfe sind eine Tragödie für die Menschen, vor allem in Mogadischu. Die jüngsten Raketeneinschläge in unserer SOS-Klinik, die für die Bevölkerung über Jahre so wertvolle Dienste geleistet hat, erfüllen mich mit Trauer und großer Sorge. SOS-Kinderdorf bittet alle Konfliktparteien, zu Friedensgesprächen zurückzukehren, unter den derzeit herrschenden Bedingungen ist Hilfe unmöglich. Der jahrelange Leidensweg der Bevölkerung muss ein Ende haben. Als Kinderhilfsorganisation bitten wir vor allem im Namen der Kinder um eine friedliche Lösung, damit sie - und mit ihnen das Land - eine Zukunft haben!"
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Das SOS-Kinderdorf in Mogadischu ist seit 1985 in Betrieb, das Krankenhaus (Mutter-Kind-Klinik, Pädiatrie und andere medizinische Leistungen) seit 1989. Während der Bürgerkriegszeit in den frühen 1990er Jahren blieb das Krankenhaus von Schäden weitgehend verschont. Seit 2003 gehört zur Klinik auch eine für Somalia einzigartige Krankenpflegeschule.