Gestern gab es den ganzen Tag in unmittelbarer Nähe des SOS-Kinderdorfes in Mogadischu schwere Gefechte. Vier Raketengeschoße schlugen auf dem Gelände des Dorfes ein, zwei explodierten auf dem Fußballplatz, eines zerstörte eine Mauer zwischen Schulgebäude und Fußballfeld und das vierte traf das Lehrerhaus. Glücklicherweise sind zurzeit Schulferien, niemand hielt sich im Gebäude und auf dem Sportplatz auf.
Wegen der anhaltend kritischen Sicherheitslage wurde in den vergangenen Wochen ein leer stehendes Gebäude instand gesetzt und mit starken Betonwänden abgesichert. Dorthin haben sich Kinder, Mütter und Mitarbeiter während der Kämpfe in Sicherheit gebracht.
Claudio Croce, Projektleiter von SOS-Kinderdorf in Mogadischu, berichtet, dass auch Gewehrkugeln auf dem Gelände einschlugen. Sich in den Straßen von Mogadischu zu bewegen, ist im Moment zu gefährlich, deshalb können Mitarbeiter, die außerhalb des SOS-Kinderdorfes wohnen, nicht zur Arbeit kommen. Die SOS-Klinik, die nach wie vor den Betrieb aufrecht hält, kann deswegen nur eingeschränkt Hilfe anbieten.
Claudio Croce beschreibt die Situation als chaotisch. Es kämpfen nicht nur Truppen der Übergangsregierung und aus Äthiopien gegen Soldaten der Islamischen Gerichte, sondern auch unter den verschiedenen Clans, von denen viele in der Nachbarschaft des SOS-Kinderdorfes leben, kommt es mittlerweile zu Kampfhandlungen. Croce vergleicht die Situation mit dem Ausbruch eines Guerillakriegs.
Im SOS-Kinderdorf leben zurzeit 82 Kinder, 13 Jugendliche und circa 30 Mitarbeiter(innen). Im Notfall müssen alle evakuiert werden, entsprechende Vorbereitungen wurden getroffen.