Am 29. März besuchte SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin die von jahrelangen Kämpfen gezeichnete Stadt Mogadischu, um die Kinder, Mütter und Mitarbeiter(innen) der SOS-Einrichtungen zu treffen. Das SOS-Kinderdorf ist wegen wiederholter Gewaltakte und der unverändert schlechten Sicherheitslage nach wie vor evakuiert; die SOS-Familien sind seit Dezember 2007 in sicheren Stadtvierteln untergebracht.
 |
| Herzlicher Empfang am Flughafen von Mogadischu - Foto: A. Gabriel |
Helmut Kutin konnte gemeinsam mit einigen Mitarbeitern nur mit einem kleinen, in Kenia gecharterten Flugzeug nach Mogadischu kommen, reguläre Linienflüge gibt es nicht. Mit dabei unter anderem auch Willy Huber, Regionalleiter von SOS-Kinderdorf für Ostafrika mit Sitz in Kenia, der maßgeblich am Aufbau der Projekte in Mogadishu in den 1980er Jahren beteiligt war und in den schlimmsten Bürgerkriegszeiten Anfang der 1990er Jahre im Land geblieben ist. Am Flughafen wurde Helmut Kutin von zwei Kindern und ihren SOS-Müttern, vom Dorfleiter und von Ahmed Ibrahim, dem Leiter der SOS-Kinderdorf-Projekte in Mogadischu, herzlich empfangen.
In der Nähe des Flughafens sind zurzeit in einem ehemaligen Fabrikgebäude die SOS-Schule und die Krankenpflegschule untergebracht, die ebenfalls aus Sicherheitsgründen evakuiert werden mussten. "Die Schule ist jetzt vorübergehend im alten Viertel von Mogadischu, wo zehn Jahre lang niemand leben konnte, weil es zu gefährlich war. Im Moment ist dieses Viertel aber sicherer als andere", beschreibt Kutin die anarchische Situation in der Stadt.
 |
| Manchmal brauchen die Kinder bis zu zwei Stunden, um zur provisorischen Schule zu kommen - Foto: A. Gabriel |
Nach dem Besuch der Schule und Gesprächen mit Schülern fuhren Präsident Kutin und seine Begleiter in ein Hotel, wo sie von allen Kindern und SOS-Müttern erwartet wurden. "Es war das erste Mal, dass ich Familien nicht im SOS-Kinderdorf getroffen habe, sondern in einem Hotel. Das Hotel heißt 'Paradise', beinahe zynisch angesichts der Zerstörungen rundherum", so Helmut Kutin.
Der SOS-Kinderdorf-Präsident hätte die Familien gerne in ihren provisorischen Unterkünften besucht. Als Europäer hätte er in den jeweiligen Vierteln aber zu große Aufmerksamkeit erregt und damit auch die SOS-Familien gefährdet. Genauso wenig war es möglich, das derzeit unbewohnte SOS-Kinderdorf und die Klinik zu besichtigen: Die Einrichtungen befinden sich im umkämpften Norden der Stadt. Die SOS-Klinik wurde im März nach dreimonatiger Schließung wieder geöffnet; drei Tage nach Inbetriebnahme wurde ein Krankenpfleger auf dem Heimweg erschossen.
"Das SOS-Kinderdorf-Gelände ist von Militärbasen umgeben, es ist in einer Sandwichlage. Die Gebäude werden von zehn Sicherheitsleuten bewacht, manchmal unter Einsatz ihres Lebens. Das Klinikpersonal leistet unglaubliche Arbeit. Bis zu 200 Kinder werden täglich behandelt", erzählt Kutin.
 |
| Foto: A. Gabriel |
Im Hotel gab es rege Gespräche mit den Kindern, und jede SOS-Mutter erhielt ein kleines Geschenk als Dank für ihren Mut, ihren Einsatz und ihre Hingabe. Weiters dankte Kutin Ahmed Ibrahim für seine umsichtige Leitung der Projekte und allen Mitarbeiter(inne)n, die auch in den schlimmsten Zeiten nicht aus Mogadischu weggegangen sind. Besonders erwähnte der SOS-Kinderdorf-Präsident Abdi Osman, der die wenigen Mitarbeiter, die noch vor Ort geblieben sind, zusammenhielt. Bei dem Treffen im Hotel übergab Helmut Kutin auch 14 Absolventen der SOS-Krankenpflegeschule ihr Diplom. Es ist der zweite Jahrgang, der die medizinische Ausbildung abgeschlossen hat; die in Mogadischu einzigartige Schule gibt es nun seit sechs Jahren.
Kutin hat auch das UN-Hauptquartier in Mogadischu gesehen - verlassen. Fast alle NGOs und Hilfsorganisationen mussten wegen der gefährlichen Lage aus Mogadischu abziehen. Viele warten nun in Kenia darauf, dass sich die Situation wieder bessert, damit der Leid geprüften Zivilbevölkerung geholfen werden kann.
"Was wirklich frappierend ist, dass zwar Handys funktionieren und man sogar E-Mails schicken kann, aber sonst fast gar nichts funktioniert", so Kutin.
 |
| Mogadischu, eine Stadt in Trümmern - Foto: A. Gabriel |
In einer Zeit, wo wegen der ständig präsenten Bedrohung so gut wie keine Ausländer nach Mogadischu kommen und sich unter der Bevölkerung Hoffnungslosigkeit breit macht, hatte der Besuch hohen Symbolcharakter. Für die SOS-Familien und die Mitarbeiter, die unter extremsten Bedingungen leben und arbeiten müssen, bedeutete die Anwesenheit von Präsident Kutin und seiner Begleiter eine große moralische Stütze. "Innerhalb weniger Stunden konnte man sehen, wie sich die Stimmung unter unseren Müttern und Mitarbeitern veränderte", erzählt Ahmed Ibrahim.