Kritische Situation rund um SOS-Kinderdörfer in chilenischem Erdbebengebiet 

02/03/2010 - Nach dem schweren Erdbeben vom 27. Februar herrscht in Concepción und anderen betroffenen Gebieten der Ausnahmezustand. Auch die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen, die teilweise schwere Gebäudeschäden melden, berichten von einer extrem angespannten Lage. Plünderer haben versucht, in das SOS-Kinderdorf in Concepción einzubrechen, das SOS-Kinderdorf in Chaimávida in der Nähe von Concepción berichtet, dass Treibstoff und Autos gestohlen worden sind.
Foto: Fernando Espinoza
Das ansonsten so friedliche SOS-Kinderdorf in Concepción befindet sich in einer kritischen Situation - Foto: Fernando Espinoza

In Concepción und angrenzenden Regionen befinden sich sechs SOS-Kinderdorf-Standorte. An den Gebäuden des SOS-Kinderdorfes in Bulnes entstanden durch das massive Beben die schwersten Schäden, sechs Familienhäuser sind nicht bewohnbar. Aus allen anderen SOS-Projekten (in Concepción, Chaimávida, Coyanco, Malleco und Padre Las Casas) werden nur leichtere Schäden gemeldet, allerdings gibt es Probleme bei der Strom- und Wasserversorgung. Auch die Kommunikation ist so gut wie unmöglich.

Was jedoch zurzeit vielmehr Sorgen bereitet, ist die Sicherheitslage, die immer dramatischer wird. Die Dorfleiterin von Concepción, Jessica Lange, hat berichtet, dass Plünderer gestern versucht haben, in das Dorf einzubrechen. Alle Kinder und Mitarbeiter halten sich ausschließlich in den Häusern auf, da bewaffnete und gewaltbereite Leute durch die Straßen ziehen. Auch Norma Valdes, die Leiterin des SOS-Mütterausbildungszentrums nahe Concepción, berichtete von Schusswechseln und der Plünderung sämtlicher Geschäfte. Das Telefongespräch mit ihr wurde plötzlich unterbrochen, seitdem war es nicht mehr möglich, mit ihr in Kontakt zu treten. Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfes in Chaimávida, rund 20 Fahrminuten von Concepción entfernt, haben beobachtet, wie in der Nachbarschaft Autos und Treibstoff gestohlen wurden.

Foto: SOS-Kinderdorf Chile
Zerstörtes Büro von SOS-Kinderdorf in Santiago - Foto: SOS-Kinderdorf Chile

Ein SOS-Hilfsteam befindet sich derzeit am Weg nach Concepción. Es wird von Pablo Perez geleitet, der erst kürzlich von einem Hilfseinsatz für SOS-Kinderdorf in Haiti zurückgekehrt ist. Ein Lastwagen mit Hilfsgütern (Trinkwasser, Mehl) für die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen ist ebenfalls unterwegs nach Concepción. Aufgrund der kritischen Situation wird dieser Transport das SOS-Kinderdorf nicht direkt ansteuern können, sondern von einem anderen Platz in der Stadt die Kinder und Mitarbeiter versorgen. Ein weiterer Transport von Puerto Mont soll Decken, Zelte, Wasser und andere Hilfsgüter in SOS-Projekte liefern.

Die Mitarbeiter des nationalen Büros von SOS-Kinderdorf in Santiago versuchen derzeit, mit Polizei und Armeekräften in Kontakt zu treten, um den Schutz der verschiedenen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen im Bebengebiet sicherzustellen. SOS-Kinderdorf Chile ist auch in Kontakt mit der nationalen Jugendwohlfahrtsbehörde, um etwaige Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.

Eines der Büros von SOS-Kinderdorf in der Hauptstadt Santiago wurde bei dem Beben zerstört, die Mitarbeiter mussten vorübergehend in die Zentrale von SOS-Kinderdorf Chile übersiedeln.

Foto: Fernando Espinoza
In den chilenischen SOS-Kinderdörfern wachsen zurzeit mehr als 1.500 Kinder auf - Foto: Fernando Espinoza
Wenn sich die Lage beruhigt und SOS-Kinderdorf einen Überblick hat, wie hoch der Hilfsbedarf in den eigenen Einrichtungen ist, kann an Hilfsaktionen für betroffene Kinder und Familien gedacht werden. Die zahlreichen SOS-Kinderdörfer in der Region sind grundsätzlich in der Lage, unbegleitete und besonders hilfebedürftige Kinder temporär aufzunehmen, solange ihre familiäre Situation nicht geklärt ist.

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