Die schweren Unruhen nach den Dezember-Wahlen haben bisher rund 600 Tote gefordert und tausende Menschen in die Flucht getrieben. Es wird befürchtet, dass die instabile Situation zu einer enormen humanitären Katastrophe führen wird, wenn nicht sofort entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Allein in Eldoret und Umgebung, wo sich ein SOS-Kinderdorf befindet, starben mindestens 200 Menschen, geschätzte 54.000 haben ihre Häuser verlassen und sind auf Hilfe angewiesen. Im gesamten Land zählt man über 300.000 Flüchtlinge. Jene, die nicht geflüchtet sind, benötigen ebenfalls dringend Unterstützung, da sie wegen der prekären Sicherheitslage ihre Häuser nicht verlassen können. Plünderer werden beschuldigt, ganze Dörfer niederzubrennen, Menschen zu töten und Frauen zu entführen.
Trügerische Ruhe
In den vergangenen drei Tagen hat sich die Situation um Eldoret nach außen hin stabilisiert, vor allem, seit die Regierung mehr Militär in die Region entsandt hat. Trotzdem halten die Spannungen an und es wird befürchtet, dass neuerliche Übergriffe zu weiteren Flüchtlingsströmen ins benachbarte Uganda führen könnten.
Das SOS-Kinderdorf in Eldoret hat Flüchtlinge mit Brennholz und Kleidung versorgt, obwohl die Folgen der Ausschreitungen auch im SOS-Kinderdorf spürbar sind. Die meisten Geschäfte sind nach wie vor geschlossen und die Lebensmittelpreise steigen wegen des mangelnden Nachschubs ständig an. Auch Benzin und Öl sind kaum noch zu bekommen. Einige Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf, die ihr Zuhause verlassen und Vandalenakte miterleben mussten, sind derzeit im SOS-Kinderdorf untergebracht. Andere Mitarbeiter wiederum können wegen der angespannten Lage und des Stillstands im öffentlichen Verkehr nicht zur Arbeit kommen. Die von SOS-Kinderdorf betreuten Jugendlichen, die normalerweise in der Stadt leben, wurden aus Sicherheitsgründen vorübergehend im SOS-Kinderdorf untergebracht.
Das SOS-Kinderdorf in Eldoret wird von einigen örtlichen Einrichtungen in dieser Notlage großartig unterstützt. Unter anderem haben auch Supermärkte, die eigentlich geschlossen sind, Lebensmittel an das SOS-Kinderdorf verkauft.
Düstere Zukunft für Flüchtlingskinder
Die meisten Flüchtlingsfamilien verbrachten die vergangenen Wochen in Camps, wo sie mit dem Notwendigsten überleben, meist nicht mehr als eine Plastikplane als Unterkunft haben und die Kinder keinen Unterricht bekommen. Auch wenn einige Menschen rechtzeitig vor den Übergriffen auf ihre Dörfer fliehen und einige Habseligkeiten mitnehmen konnten, so gelang vielen erst die Flucht, nachdem ihre Häuser niedergebrannt waren und ohne dass sie irgendetwas vor den Flammen retten konnten.
Sollte die Krise anhalten, wäre dies vor allem für die Kinder eine Katastrophe. Außerdem sind viele Kinder wegen der gewalttätigen Ausschreitungen zu Halb- oder Vollwaisen geworden. Besonders dramatisch ist die Situation in den Flüchtlingscamps für jene Kinder, die wegen ihrer HIV/AIDS-Erkrankung auf anti-retrovirale Medikamente angewiesen sind und nun nicht ausreichend medizinisch versorgt werden können.
SOS-Kinderdorf Kenia prüft derzeit die Möglichkeiten von Nothilfemaßnahmen und - falls notwendig - einer längerfristigen Unterstützung von vertriebenen Kindern und Frauen (Schutz und Unterkünfte, Lebensmittel, sanitäre und medizinische Versorgung sowie psychosoziale Begleitung).