
Foto: SOS-Archiv
|
Das über 4.000 Meter hoch gelegene SOS-Kinderdorf in El Alto nahe La Paz, das seit Mitte dieses Jahres in Betrieb ist, wird am 17. Oktober eingeweiht. Die Stadt El Alto weist das stärkste Bevölkerungswachstum Boliviens auf, rund 50 % der Bevölkerung sind unter 19 Jahre alt. Die massive Zuwanderung aus ländlichen Gebieten in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte sich Mitte der 80er Jahre fort, als zahlreiche Bergwerke in den Bergbauzentren Oruro und Potosí geschlossen wurden und arbeitslose Bergarbeiter mit ihren Familien zur Abwanderung nach El Alto und La Paz gezwungen waren.
Trotz unleugbarer Verbesserungen der städtischen Lebensbedingungen mangelt es nach wie vor breiten Bevölkerungsschichten an einer Grundsicherung und Zugang zu schulischer, sozialer und wirtschaftlicher Infrastruktur. Mehr als 70 % der Haushalte leben unter der Armutsgrenze, 88 % der Bevölkerung sind Analphabeten. Die schlechte soziale Lage vieler Familien führt zu krasser Unterversorgung von Kindern hinsichtlich der Ernährung, zu mangelnder elterlicher Präsenz, zu schlechten schulischen Leistungen durch häufiges Fernbleiben vom Unterricht, zu Kinderarbeit und Vernachlässigung durch Alkohol- und Drogenkonsum und Gewalt in der Familie.
Neben dem dringend notwendigen SOS-Kinderdorf, das rund 110 Kindern ein langfristiges Zuhause bieten kann, und einem öffentlich zugänglichen Kindergarten wird ein Sozialzentrum in Betrieb gehen. Hauptzielgruppe dieses Zentrums werden allein erziehende Mütter sein, die einerseits durch Fortbildungs- und Beratungsangebote in ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit gestärkt werden sollen, und andererseits durch die Möglichkeit, ihre Kinder in einer Kindertagesstätte bzw. im SOS-Kindergarten unterzubringen, eine fixe Anstellung eingehen können. Einen weiteren wichtigen Bereich im Zentrum wird die medizinische Grundversorgung der KlientInnen und ihrer Kinder darstellen.
Drei Tage vor El Alto wird ein SOS-Sozialzentrum in Potosí eröffnet. An diesem Standort, wo seit dem Jahr 2000 ein SOS-Kinderdorf in Betrieb ist, gehören - ähnlich wie in El Alto - arbeitende und bettelnde Kinder zum täglichen Straßenbild. Für diese Kinder und ihre oft allein erziehenden Mütter soll dieses Zentrum zukunftssichernde Sozialleistungen bieten.
Am 16. Oktober wird das SOS-Berufsbildungszentrum für Mädchen ("Cenfotec Feminina") in La Paz eingeweiht, an dem sich seit dem Jahr 2002 Mädchen in verschiedenen Kursen zur Bürokauffrau ausbilden lassen können. Das Cenfotec Feminina bildet eine ideale Ergänzung zum Ausbildungsangebot von SOS-Kinderdorf in La Paz, wo bereits ein Ausbildungszentrum mit Näherei und Strickerei, mit einer Tischlerei, einer Elektriker- und einer Mechanikerwerkstatt sowie einer Druckerei Jugendlichen entsprechend ihrer Begabungen und Interessensgebiete eine anerkannte Ausbildung ermöglicht.
Weitere Detailinformationen zu allen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Bolivien finden Sie unter "Wo wir helfen".